Viele Beschäftigte fühlen sich dauerhaft erschöpft, überlastet oder ausgebrannt. Burn-out entsteht meist nicht plötzlich, sondern entwickelt sich über längere Zeit durch Stress und Überforderung im Job. Hier erfahrst du, woran du ein Burn-out erkennen kannst, was du bei ersten Anzeichen tun solltest und welche Unterstützung du erhalten kannst.
Wörtlich übersetzt bedeutet der Begriff „burn out“ so viel wie „ausbrennen“ und beschreibt das Gefühl, unter dem die Betroffenen leiden. Nach einer langen Phase extrem hoher körperlicher, emotionaler und geistiger Belastung bleibt keine Energie mehr, um Aufgaben nachzukommen und den Alltag zu bewältigen.
Ein noch recht unbekanntes, aber nicht weniger gefährliches Erschöpfungssyndrom ist das „Stille Burn-out“. Dieses trifft oft Menschen, die normalerweise mit viel Leidenschaft und Engagement arbeiten. In einem schleichenden Prozess fällt es den Betroffenen immer schwerer, sich zu entspannen und neue Kräfte zu sammeln. Sie stehen ständig unter Strom, sind schnell gereizt, verspüren eine innere Unruhe, können schlecht schlafen und rutschen immer weiter in eine negative Gedankenspirale ab. Das Stille Burn-out wird deshalb oft als Vorstufe des klassischen Burn-outs gesehen.

Nicht jede*r mit einem stressigen Arbeitsleben oder Alltag reagiert mit einem Burn-out. Im Allgemeinen gibt es drei Leitsymptome, die ein Burn-outkennzeichnen und bei denen Betroffene oder Angehörige hellhörig werden sollten:
Hast du dich oder eine*n Angehörige*n gerade wiedererkannt, bist dir aber noch nicht ganz sicher? Beantworte die folgenden Fragen und erhalte eine unabhängige Einschätzung. Aber beachte: Der Burn-out-Test ersetzt keinesfalls den Besuch bei Ärzt*innen oder Therapeut*innen.
Ich fühle mich in meinem Job motiviert.
An meinem Arbeitsplatz herrscht großer Konkurrenz- und Leistungsdruck.
Ich schaffe es oft nur knapp, auf der Arbeit mein Arbeitspensum einzuhalten.
Ich schaffe es, regelmäßig Pausen auf der Arbeit wahrzunehmen.
Für meine Arbeit bekomme ich von meinen Kollegen oder Vorgesetzten Lob und Anerkennung.
Ich vernachlässige Freundschaften und Hobbies zu Gunsten meines Berufes.
Meine Partnerschaft hat wegen meiner Arbeit spürbar Schaden genommen.
Ich beschäftige mich regelmäßig auch abends und am Wochenende mit beruflichen E-Mails oder -Anrufen.
Auf meiner Arbeit habe ich Gestaltungs- und Entscheidungsräume.
Ich leide an hohem Blutdruck, Kreislaufstörungen, Tinnitus oder anderen oben im Artikel genannten Erschöpfungszuständen.
Ich habe das Gefühl, dass ich es aus eigener Kraft nicht schaffe, auf Dauer im Job zu bestehen.
Achtung, es bestehen deutliche Hinweise auf ein Burn-out. Das Stresslevel am Arbeitsplatz, die andauernde Überlastung und der zu geringe Freizeitausgleich zeigen, dass die Gefahr eines Burn-outs hoch ist. Sie sollten Maßnahmen ergreifen.
Ihr Burn-out Risiko scheint gering zu sein. Achten Sie jedoch darauf, dass es so bleibt. Um einem Burn-out vorzubeugen, sind eine gesunde Ernährung und ausreichen Freizeit wichtig.
Ihr Burn-out Risiko ist erhöht. Versuchen Sie die Gründe für die überhöhte Arbeitsbelastung herauszufinden und die Arbeitssituation mit ihrem Arbeitgeber zu verändern. Arbeiten Sie nicht in Ihrer Freizeit und schaffen Sie einen Ausgleich zu Ihrer Arbeit. Körper und Geist brauchen Zeit zur Regeneration.
Wir haben dir Tipps zusammengestellt, wie du einen Weg aus der Stressspirale finden kannst. Aber: Zögere nicht, bei einem andauernden Erschöpfungszustand mit Ärzt*innen oder Therapeut*innen über mögliche Maßnahmen zu sprechen.
Tipp1: Identifiziere Ursachen.
Versuche, die Gründe zu finden, die zur hohen Belastung führen. Sind deine eigenen Erwartungen zu hoch? Oder die Zielvorgaben des Arbeitgebers? Ist die aktuelle Arbeitsbelastung dauerhaft oder wird sie bald wieder abnehmen?
Tipp 2: Sprich mit Freunden und Familie.
Gemeinsam ist es oft einfacher, den Ursachen und Möglichkeiten auf den Grund zugehen. Nur wer das Problem erkennt, kann es auch angehen.
Tipp 3: Verändere deine Arbeitssituation.
Es muss nicht zwangsläufig ein Jobwechsel sein. Aber permanenter Stress ist auf Dauer keine Option. Tausche dich mit Kolleg*innen aus und hab keine Scheu, mit dem Betriebs-oder Personalrat, mit Betriebsärzt*innen und Vorgesetzten über Möglichkeiten der Entlastung zu sprechen. Solltest du auf Unverständnis stoßen, überlege gemeinsam mit dem Betriebs- oder Personalrat, ob du weiter in diesem Arbeitsumfeld arbeiten kannst und welche alternativen Möglichkeiten es gibt.
Tipp 4: Setze Grenzen.
Der Mensch ist keine Maschine. Und du musst nicht jederzeit erreichbar sein. Mache das Diensthandy in der arbeitsfreien Zeit aus, genieße deinen Feierabend und setze dir, deinen Kund*innen und deinem Arbeitgeber Grenzen. Das schützt dich vor Überlastung.

Tipp 5: Schaffe dir einen Ausgleich zur Arbeit.
Plane Freizeit fest in deinen Terminplan ein und gönne dir auch während der Arbeitszeit Pausen. Achte generell auf eine gesunde Lebensweise, wie z. B.auf eine ausgewogene Ernährung, feste Schlafenszeiten, genügend Bewegung und frische Luft. So stärkst du deinen Körper und steigerst das eigene Wohlbefinden. Auch Entspannungstechniken können helfen: zum Beispiel autogenes Training oder Yoga.
Tipp 6: Suche dir frühzeitig ärztliche oder therapeutische Hilfe.
Es ist nie zu spät, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, aber auch nie zufrüh. Zögere deshalb nicht, schon bei ersten Anzeichen von Erschöpfung auf Ärzt*innen oder Therapeut*innen zuzugehen.
Tipp 7: Räume deiner Erschöpfung genügend Platz ein.
Ein Burn-out ist eine ernstzunehmende Erkrankung. Blende deshalb die Signale deines Körpers nicht aus und versuche nicht, die Überlastung allein zu bewältigen. Suche die „Fehler“ nicht bei dir, sondern gehe von Anfang an in den Dialog.
Tipp 8: Lasse es gar nicht erst zu einem Burn-out kommen.
Beherzige all diese Tipps auch, wenn du momentan keine Anzeichen von Erschöpfung verspürst. So lässt sich ein „Ausbrennen“ in vielen Fällen präventiv verhindern.


ver.di unterstützt Mitglieder bei Problemen durch Überlastung oder gesundheitliche Belastungen im Job.
Mitglieder erhalten unter anderem:
Beim Burn-out-Syndrom spielen viele Faktoren zusammen: beispielsweise ein übersteigertes Verständnis von Pflichterfüllung und Leistungserbringung, fehlende Anerkennung und/oder ein falsches Bild von sich selbst.
Anders, als oft behauptet, ist das Burn-out keineswegs ein „Manager-Syndrom“. Es kann jeden und jede treffen. Egal ob die Person in einer Führungsposition, in der Ausbildung, 50 oder 20 Jahre alt ist: Ist das Stresslevel im Job nicht mehr zu bewältigen und erzeugen zu hohe Erwartungen großen Druck, steigt das Risiko, an einem Burn-out zu erkranken.
Dabei kann körperliche und psychische Dauerbelastung durchaus einige Zeit gut gehen, was dazu führt, dass ein Burn-out oft erst spät erkannt wird. Höre also unbedingt auf deinen Körper. Spätestens, wenn die ersten Symptome einer Erschöpfung auftreten, solltest du dir möglicherweise eingestehen, dass es Zeit für eine Pause ist. Denn ein Burn-out entsteht nicht über Nacht. Es ist ein Prozess, der gestoppt werden kann, wenn du ihn frühzeitig erkennst.
Natürlich kann der Arbeitgeber auch mal erwarten, dass bei Auftragsspitzen länger gearbeitet wird. Aber das darf nicht zur Regel werden und es muss ein entsprechender Ausgleich stattfinden. Denn: Andauernde körperliche und psychische Belastung musst du dir nicht gefallen lassen. Personalmangel o.ä. auszugleichen, liegt nicht in deiner Verantwortung.
Wenn sich dein Chef zu keinem Gespräch oder einer Änderung der Arbeitssituation bereiterklärt, solltest du handeln:
Abgesehen davon, dass übermäßige Belastung deiner Gesundheit schadet, ist sie auch nicht rechtens. Dein Arbeitgeber hat eine Fürsorgepflicht, die im Arbeitsschutzgesetz beschrieben ist. Das heißt, der Arbeitgeber ist dafür verantwortlich, dass Beschäftigte ihrer Arbeit bestmöglich nachgehen können. Mehr noch: Der Arbeitgeber muss dafür sorgen, dass das Arbeitsverhältnis sozial gestaltet wird. Und dazu gehört auch, dass die Belastung, die dir zugemutet wird, deine Gesundheit nicht beeinträchtigt.
Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)
Das Arbeitsschutzgesetz dient der Sicherheit und dem Gesundheitsschutz der Beschäftigten. Es beinhaltet Grundsätze und konkrete Maßnahmen, welche Arbeitgeber rechtlich dazu verpflichten, die Arbeit für die Beschäftigten sozial verträglich und sicher zu gestalten.
Arbeitszeitgesetz (ArbZG)
Das Arbeitszeitgesetz regelt z. B., wie lange Beschäftigte am Stück gesetzlich arbeiten dürfen, welche Ruhepausen ihnen zustehen und ab wann Nachtarbeit beginnt. Es verpflichtet Arbeitgeber ebenfalls dazu, die Ruhezeit der Beschäftigten zu schützen, damit sich diese ausreichend erholen können.
Sozialgesetzbuch V (SGB V)
Das Sozialgesetzbuch – Buch Fünf – beinhaltet die Vorschriften und Regelungen in Bezug auf die gesetzliche Krankenkasse. So auch die Regelungen zur Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und zur Wiedereingliederung nach längerem Arbeitsausfall.

Noch kein ver.di-Mitglied?
Wenn du Unterstützung bei Überlastung oder gesundheitlichen Problemen durch deine Arbeit benötigst, kann eine Mitgliedschaft sinnvoll sein. ver.di unterstützt Mitglieder bei Konflikten im Job und bei arbeitsrechtlichen Fragen.