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Mehr Personal für eine gute Pflege:
Wie der Pflegenotstand beendet werden kann.

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Pflegenotstand ist Alltag in Deutschland

Verzweifeln Sie auch manchmal daran, dass Sie Ihre hohen Ansprüche an die eigene Arbeit kaum noch erfüllen können? Denken Sie auch, dass es in der Pflege so nicht weitergehen kann? Weil der Arbeitsdruck steigt und steigt und immer weniger Zeit für die Patientinnen und Patienten bleibt. Und weil Sie sich aufreiben, um Pflegebedürftige trotz extremer Belastung gut zu versorgen und Ihre Kolleginnen und Kollegen nicht im Stich zu lassen.

Gesundheit geht vor - auch für die Pflegekräfte

Wer in der Pflege arbeitet, scheut harte Arbeit bestimmt nicht. Umso erschreckender ist es, dass die Mehrheit aller Pflegenden selbst von Gesundheitsproblemen betroffen sind. Durch die sehr schwere körperliche Arbeit, wegen langer Nächte allein auf einer Station, aufgrund freizeitfeindlicher Dienstpläne oder oft wechselnder Einsatzbereiche. Familie, Freunde, Hobbys und die so dringend benötigten freien Tage bleiben viel zu oft auf der Strecke. Wie oft sind Sie schon aus dem Frei eingesprungen, weil Sie Kolleginnen und Kollegen nicht hängen lassen wollten?

Zu wenig Personal heißt zu viel Belastung

Wer Missstände ändern will, muss die Gründe kennen. Den Pflegenotstand gibt es, weil in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und auch in der ambulanten Pflege ein dramatischer Personalmangel herrscht. Es gibt zu wenig Personal, weil Bezahlung und Arbeitsbedingungen der Pflegeberufe inzwischen so sind, dass viele trotz Neigung und großem Bedarf den Beruf nicht mehr ergreifen oder wieder aufgeben. Gleichzeitig wird nicht bedarfsgerecht eingestellt: Während die Fallzahlen in Krankenhäusern seit dem Jahr 2000 um mehr als 11% zugenommen haben, sank die Beschäftigung im nicht-ärztlichen Bereich um 2%. Kostendruck und Rationalisierung haben hier zu einer dramatischen Verschärfung der Arbeitsbedingungen und des Arbeitsdrucks geführt. Eine Situation, die bereits heute in der Altenpflege zu einem akuten Fachkräftemangel geführt hat: Die Attraktivität des Berufs leidet.

Was können Sie kurzfristig selbst tun?

Sie brauchen dringend Entlastung, wollen aber weder Ihre Kolleginnen und Kollegen, noch ihre Patienten hängen lassen? Aus diesem Dilemma gibt es keinen einfachen Ausweg, aber machen Sie sich eines bitte bewusst: Sie als Einzelperson können sich noch so sehr anstrengen, durch Ihr individuelles Engagement können Sie den Personalmangel niemals ausgleichen. Was Sie gemeinsam mit Ihren Kolleginnen und Kollegen aber tun können ist: Tauschen Sie sich im Team aus. Machen Sie die Probleme sichtbar, indem Sie Gefährdungsanzeigen schreiben und Verstöße gegen Arbeitszeitgesetz, Tarifvertrag oder Gesundheitsschutz dokumentieren. Sprechen Sie Ihren Arbeitgeber auf die Missstände an und machen Sie deutlich, wie gefährlich viele Situationen für Sie selbst und die Pflegebedürftigen sind. Fordern Sie Ihren Arbeitgeber auf, Verbesserungen vorzunehmen. Und falls dies nicht geschieht, haben Sie den Mut, gemeinsam zu handeln!

Sich zu wehren, ist allein am schwersten und selbst im Team nicht leicht. Wenn Sie unsicher sind, wie Sie vorgehen können, was Sie dürfen und wie Sie sich selbst und Ihre Patienten vor negativen Folgen bewahren, wenden Sie sich an die Vertrauensleute oder Ihren Betriebs- oder Personalrat. Beratung und ganz praktische Unterstützung gibt es auch direkt bei der Gewerkschaft. Übrigens: Wir bei ver.di planen alle Aktionen natürlich immer so, dass sie wirksam sind, ohne Patienten zu schaden.

Wie kommt es zum Personalmangel und was sind die Folgen?

Der Pflegenotstand ist hausgemacht: Auch wenn in den letzten Jahren wieder mehr Stellen besetzt wurden, so verweigern sich die Arbeitgeber nach wie vor, für eine an der Pflegewirklichkeit orientierte Personalausstattung zu sorgen. Sie profitieren wirtschaftlich davon, wenig Personal einzustellen und verschlechtern damit weiter die Bedingungen für die Beschäftigten.
Geringe Wertschätzung für das, was geleistet wird, zu niedrige Löhne und die schwierige Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben - kaum verwunderlich, wenn immer weniger junge Menschen diesen Beruf ergreifen wollen oder selbst engagierte Pflegekräfte ihren Beruf nicht dauerhaft ausüben können oder wollen, weil die tägliche Realität immer weniger mit dem eigenen Anspruch vereinbar ist.

Die mangelnde Bereitschaft, genug Personal einzustellen, geht auf Kosten der Pflegebedürftigen und des pflegenden Personals – die Mehrbelastung hat Folgen.

Während Angestellte aus anderen Berufsbereichen im Schnitt 16 Tage im Jahr krank sind, kommen bei Pflegekräften 24 Krankheitstage zusammen. Außerdem nehmen psychische und psychosomatische Erkrankungen beim Pflegepersonal jedes Jahr dramatisch zu. Viele Pflegekräfte scheiden aus gesundheitlichen Gründen vor dem regulären Rentenalter aus dem Beruf aus. Und auch die Patientinnen und Patienten leiden unter den Folgen. Aufgrund des Zeitmangels ist es für Pflegekräfte oft kaum möglich, sich ausreichend zu kümmern. Oft können nicht mal die so wichtigen Hygienevorschriften eingehalten werden. Dadurch kommt es jedes Jahr zu tausenden Infektionen mit Krankenhauskeimen.
Höchste Zeit endlich etwas zu ändern!

Gute Pflege – wie es eigentlich sein sollte

Für viele ist ein Beruf in der Pflege auch eine Herzensangelegenheit. Entsprechend hoch sind die Motivation und der eigene Anspruch, eine gute Arbeit zu leisten. Wer tagtäglich sieht, was es heißt alt, krank oder hilflos zu sein, der will die Patientinnen und Patienten und Pflegebedürftige so respektvoll behandeln, wie man es für sich selbst erwartet. Um jedem gerecht zu werden, braucht es Zeit. Pflege ist keine Fließbandarbeit. Individuell auf die Menschen eingehen – jedem das geben, was er braucht: Dies erfordert fachliche Qualifikation und persönliche Einsatzbereitschaft. Beschäftigte in der Pflege sind hervorragend ausgebildet. Entsprechend hoch darf auch die Erwartung sein, in einem professionellen und wertschätzenden Umfeld mit guten Arbeitsbedingungen zu arbeiten.

Pflegen im Akkord - was kann ich tun?

Erste Schritte

  • Machen Sie sich nicht für die Situation verantwortlich – Sie können den Personalmangel in Ihrem Betrieb nicht durch Mehrarbeit ausgleichen.
  • Tun Sie sich mit Ihrem Team zusammen und sagen Sie kollektiv „Nein“, wenn es darum geht, immer wieder kurzfristig einzuspringen.
  • Machen Sie Ihren Arbeitgeber auf die Misere aufmerksam und fordern Sie ganz konkret Entlastung.
  • Machen Sie die Missstände sichtbar, indem Sie Überlastungs- bzw. Gefährdungsanzeigen schreiben.
  • Dokumentieren Sie Verstöße gegen das Arbeitsgesetz, den Tarifvertrag oder den Gesundheitsschutz.
  • Holen Sie sich Beratung und Unterstützung bei der Gewerkschaft.

Häufige Fehler vermeiden

  • Sie müssen nicht „allzeit bereit“ sein. Freie Tage müssen Ihnen gehören.
  • Verzichten Sie nicht, aus Loyalität zu Ihren Kolleginnen und Kollegen, auf Ihre Pausen – Körper und Geist brauchen echte Ruhephasen.
  • Versuchen Sie nicht alleine mit der Überlastung fertig zu werden. Erinnern Sie den Arbeitgeber an seine Verantwortung.
  • Hoffen Sie nicht darauf, dass sich die Situation von selbst lösen wird. Werden Sie aktiv.

Was kann ver.di für Sie tun?

Als Gewerkschaftsmitglied profitieren Sie natürlich immer von dem, was eine große Organisation wie ver.di Ihnen bietet: Unsere Profis verhandeln Tarife mit den Arbeitgebern, Sie bekommen organisatorische und finanzielle Unterstützung bei Tarifkonflikten („Streikgeld“), Beratung und Rechtsschutz bei Problemen am Arbeitsplatz und eine Menge weiterer Vorteile, von günstigen Versicherungen bis zur Hilfe bei der Steuererklärung.

Eins ist Ihnen so klar wie uns: Der Pflegenotstand ist vor allem das Ergebnis wachsenden Wettbewerbs und Kostendrucks im Gesundheitswesen. Deshalb gilt: Mit Mut, Engagement und klugem Vorgehen kann vieles konkret verbessert werden. Wirklich genug Pflegekräfte wird es aber erst dann geben, wenn bundesweit verbindliche, gesetzliche Vorgaben für die Personalausstattung („gesetzliche Personalbemessung“) geschaffen werden. Nur wenn für alle Kliniken, Pflegeeinrichtungen und -dienste einheitliche Mindeststandards der Personalausstattung gelten, können die Personaleinsparungen begrenzt, die Qualität der Pflege gesichert und die Arbeitsbedingungen verbessert werden.

Personalbemessung per Gesetz? Das kann ja ewig dauern, denken Sie jetzt vermutlich. Aber da können wir Ihnen wirklich Mut machen. ver.di setzt schon seit Längerem auf eine Mischung aus betrieblichen Aktionen, Mobilisierung der Öffentlichkeit und direktem Druck auf Parteien und Regierungen. Und das bringt tatsächlich schon eine Menge: Im Saarland stehen jetzt, nachdem ver.di-Kolleginnen und -Kollegen dort sehr aktiv geworden sind, zum ersten Mal verbindliche Mindeststandards für den Einsatz von Pflegekräften im Krankenhausplan. In der Berliner Charité und in Stuttgart konnten Beschäftigte bessere Arbeitsbedingungen erzwingen, indem sie das Einspringen kollektiv verweigerten und auch die Öffentlichkeit für ihre Ziele mobilisierten.
In der Altenpflege haben wir mit unseren Aktionen bereits erreicht, dass ein Personalbemessungssystem eingeführt wird.
Gute Anfänge sind also gemacht. Es tut sich was in der Pflege!

Wir von ver.di sind davon überzeugt, dass viele Verbesserungen für Pflegekräfte und auch eine Personalbemessung per Gesetz erreicht werden können. Das wird nicht leicht und kommt nicht gleich morgen. Aber gerade weil alle in der Pflege die gleichen Probleme haben, sind sie auch gemeinsam lösbar. Und je mehr dabei mitmachen, je besser und schneller geht es. Ganz viele Ihrer Kolleginnen und Kollegen in ver.di hätten auch Sie sehr gerne dabei!

Das haben Pflegekräfte gemeinsam mit ver.di schon erreicht

Einen großen Erfolg erzielte ver.di gemeinsam mit Krankenhausbeschäftigten im Saarland. Dort wurden durch Aktionen und Streiks der Krankenhausbeschäftigten so viel Druck auf Arbeitgeber und Politiker aufgebaut, dass die Landesregierung reagieren musste. Zur Verbesserung der Patientensicherheit und Erhöhung der Arbeitszufriedenheit wird in den neuen Krankenhausplan eine Mindestausstattung von Pflegekräften und Ärzten aufgenommen. Damit ist das Saarland eines der ersten Bundesländer, das in der Krankenhausplanung verpflichtende Vorgaben zur Besetzung von Pflegestellen macht.
Einen weiteren Erfolg erzielte ver.di gemeinsam mit dem Pflegepersonal aus der Berliner Charité. Nach einer jahrelangen Auseinandersetzung konnte der bundesweit erste Tarifvertrag mit Regelungen zur Personalausstattung abgeschlossen werden.
Durch gemeinsames Handeln der Beschäftigten konnten die Arbeitgeber tarifvertraglich verpflichtet werden, endlich Maßnahmen zur konkreten Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu ergreifen.

Auch auf politischer Ebene kann der ständige Einsatz von ver.di erste Erfolge bewirken. Im April 2017 hat das Bundeskabinett eine wichtige Entscheidung getroffen, die die Situation von Pflegenden, Patientinnen und Patienten verbessern soll: Die Einführung von Untergrenzen in der Personalausstattung in Krankenhäusern wurde von der Politik beschlossen.
Und in der Altenpflege haben wir mit unseren Aktionen bereits erreicht, dass ein Personalbemessungssystem eingeführt wird.

Das sind zwar nur erste Schritte, die nicht ausreichend sind, um gute Pflege und eine gute Versorgung zu schaffen. Aber sie zeigen: Es geht und der Anfang ist gemacht.
Doch um nachhaltige Veränderungen zu erzielen, brauchen wir Sie.

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